Monatsarchiv: Dezember 2011

Stilblüten 3 – Lebensstil und Migration

„Stilblüten 3 – Lebensstil und Migration“ verbindet – wie der Titel schon sagt – zwei Themenbereiche, die in den Gesellschaftswissenschaften selten in Kombination auftreten. Migration wird meist als mehr oder weniger problematischer Bereich, verbunden mit dem Themenkomplex der Integration, variiert. Lebensstilforschung steht dagegen oft im Verdacht eine Art „Gesellschaftswissenschaft light“ zu repräsentieren, bei der es weniger um das Aufspüren von Ursachen gesellschaftlich relevanter Phänomene geht, als um Fragen von Freizeitaktivitäten einer Gesamtgesellschaft.

Diesen Annahmen setzt Sinus Sociovision eine „Migrantenstudie“ entgegen, die eine „migrantische Sozialstruktur“ anhand von beruflich-ökonomischen Schichten in Verbindung mit Werten, Einstellungen, kulturellen Merkmalen und Praktiken erstellt. Diese Studie wird in „Stilblüten 3 – Lebensstil und Migration“ vorgestellt und vor dem Hintergrund von Pierre Bourdieus Habituskonzept kritisch reflektiert.

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Warum sollen Unternehmer ethisch handeln?

Wirtschaftlich und gesellschaftlich unerwünschte Resultate werden in modernen Gesellschaften gerne dem Werteverfall, der Charakterschwäche der Politiker oder der Geldgier der Manager zugeschrieben. Als ursächliche Begründung für negative Folgen greifen solche Erklärungen allerdings zu kurz. Probleme werden zwar von Einzelunternehmen erzeugt, aber kaum – freiwillig – von ihnen gelöst. Das hängt nicht ursächlich mit mangelnder Ethik zusammen, sondern systematisch mit ihrer Stellung im Wettbewerb. Gesellschaftlich erwünschte Resultate hingegen können am besten als Nebenprodukte von eigeninteressierten Handlungen unter klaren ordnungspolitischen Rahmenbedingungen erreicht werden. Denn die Gewinnerzielung ist als nicht zu ersetzende Quelle unseres Wohlstands quasi selbst zur moralischen Pflicht aufgestiegen. Zu viele gesellschaftliche Interessen und Triebkräfte sind daran gekoppelt als dass es möglich wäre, den Zusammenhang von materieller Wohlfahrt und Lebensqualität nicht  immer wieder neu zu behaupten. Ohne unternehmerische Gewinne und anschließende Umverteilung der Gewinne sind Sozialstaat, Wohlstand und Lebensqualität nicht zu halten. Die Rolle ethisch handelnder Unternehmen bleibt demgegenüber recht bescheiden. Ethisches Handeln manifestiert sich vorrangig in der Schaffung von Rahmenbedingungen in Zeiten ökonomischer Freiräume, die in Zeiten der ökonomischen Zuspitzung die Handlungsoptionen aller zueinander in Konkurrenz stehenden Akteure einschränkt. Ethisches Handeln misst sich folglich nicht am Verhalten in Extremsituationen. Dies stellt in der Regel eine Überforderung der Betroffenen dar, die in solchen Kontexten der primären Handlungslogik ihres Bezugssystems folgen müssen. Der gesamte Beitrag ist in dem Buch „Marktwirtschaft für Menschen“ (Hrsg. C. Sedmak/E. Kapferer/K. Oberholzer) online nachzulesen.

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Die Gute Arbeit 2020

Diskussionsbeitrag auf Einladung des Renner Instituts Salzburg:

Kunstfehler der Zukunftsforschung passieren häufig dann, wenn nur die Veränderungen in den Blick genommen werden aber das, was gleich bleibt, aus dem Blickfeld verschwindet. Wenn zudem der geschäftliche Aspekt der Vorausschau zu stark in den Vordergrund tritt und aus neuen, randständigen Erscheinungen ein mediengerecht aufbereiteter „Megatrend“ konstruiert wird werden schnell „Megatrends“ entwickelt.  „Echte“ Trends dagegen vollziehen sich langsamer, sind dauerhaft und haben Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft. Solche Trends sind zweifellos die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen, die Flexibilisierung der Erwerbsarbeit oder die Beschleunigung von Arbeitsprozessen. Kein solcher Trend wäre das Ende der Vollbeschäftigung oder der sozialen Sicherungsfunktion von Erwerbsarbeit. Die Flexibilisierung als stärkster Trend der jüngeren Arbeitswelt hat verschiedene Formen hervorgebracht, aber kein einheitliches Flexibilisierungsmuster. Weder steht uns eine Arbeitswelt bevor in der die subjektiven Entfaltungsmöglichkeiten aller Beschäftigten endlich zum Tragen kommen können, noch tauchen wir ein in das Zeitalter der Prekarität. Lesen Sie den gesamten Beitrag von Reinhard Hofbauer hier.

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Frühkindliche Bildung. Der Anfang vom Ende?

Wenn von Bildung die Rede ist, so ist in unseren Breiten meist schulische bzw. hochschulische Bildung gemeint. Aktuell wird  beispielsweise wieder über den freien Zugang zu Bildung auf der Ebene der Studiengebühren diskutiert.
Im Titel „Frühkindliche Bildung. Der Anfang vom Ende?“ steckt schon die These dieses Beitrages. Wenn man davon ausgeht, dass Bildung nicht erst mit dem Eintritt in die Schule beginnt, sondern bereits im Alter zwischen null und sieben Jahren entscheidende Weichen für die weitere Entwicklung gestellt werden, so müsste die institutionalisierte Bildung bereits in der Krabbelstube bzw. im Kindergarten beginnen. Dies scheint zumindest den Daten nach in Österreich noch nicht zur Gänze der Fall zu sein.
Doch was muss verändert werden? Wo soll man anfangen und wer sind in diesem Zusammenhang die AkteurInnen? Wie kann Bildung zukünftig aussehen? Welche Herausforderungen spielen in Zukunft eine Rolle?
Diese und andere Fragen werden in diesem WissensUpdate behandelt.

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Alles für den Gast?

Arbeitsklimaindex Tourismus. Ergebnisse einer Arbeitsklimaindex-Befragung

Diese und viele weitere Fragen stellte die Arbeiterkammer Salzburg den rund 30.000 unselbständig Beschäftigten im Tourismus im Bundesland Salzburg, mit einem beachtlichen Rücklauf von 9,4 Prozent. Wie bereits bei den letzten Arbeitsklimaindex-Erhebungen beauftragte die AK Salzburg das Zentrum für Zukunftsstudien die Erhebung wissenschaftlich zu begleiten sowie die Auswertung, Interpretation und Berichterstattung durchzuführen.

Angesichts des seit Jahren bestehenden Nachwuchsproblems im Tourismus und der Tatsache, dass der Tourismus seit Jahren an der Spitze der Rechtsberatungsfälle in der Arbeiterkammer liegt, war es der AK Salzburg und der Gewerkschaft VIDA ein Bedürfnis, den Tourismus näher zu untersuchen.

Die kürzlich fertiggestellte Studie „Arbeitsklimaindex Tourismus“ fand eine breite öffentliche Aufmerksamkeit. Mit den Studienergebnissen konnten die bereits bekannten Problemlagen im Tourismus bestätigt werden und zusätzlich weitere interessante Erkenntnisse über die subjektive Bewertung der Tourismusbeschäftigten, hinsichtlich einer Bandbreite an arbeitsbezogenen Aspekten, gewonnen werden. Hoher Zeitdruck, flexible und unregelmäßige Arbeitszeiten, Arbeit auf Abruf, als auch das niedrige Einkommensniveau zählen zu den Hauptergebnissen, welche die Studie hervorbrachte. In struktureller Hinsicht ist der Tourismus durch einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil sowie ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund geprägt. Der Großteil der Beschäftigten ist als ArbeiterIn beschäftigt, was sich unvorteilhaft auf die Rechte, das Lohnniveau und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten auswirkt. Die Beschäftigung selbst ist geprägt durch eine hohe Instabilität mit hoher Fluktuation, saisonale Schwankungen und einem hohen Arbeitslosigkeitsrisiko. Zudem sind Tourismusbeschäftigte besonderen Belastungsformen und hohem Zeitdruck ausgesetzt, die flexiblen Arbeitszeitformen machen es zusätzlich schwer, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Nicht zuletzt zeigt sich der Arbeitsklimaindex Tourismus weit unterdurchschnittlich: Mit 99 Indexpunkten liegt dieser weit unter dem Ergebnis des allgemeinen Salzburger Arbeitsklimaindex (2010: 114 Indexpunkte), welcher jährlich unter allen Salzburger ArbeitnehmerInnen von der Arbeiterkammer Salzburg in Kooperation mit dem Zentrum für Zukunftsstudien und IFES (Institut für empirische Sozialforschung) durchgeführt wird. Die Ergebnisse des allgemeinen Salzburger Arbeitsklimaindex für das Jahr 2011 werden im Frühjahr 2012 präsentiert.

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Zukunft Sparunion?

Beim EU-Gipfel vergangenen Freitag wurden weitreichende Maßnahmen beschlossen und an dieser Stelle bereits skizziert. Die Staatschefs der Europäischen Union (speziell jene der Euro-Länder) wollen wirtschaftlich näher zusammenrücken, und in Zukunft ihre Fiskalpolitik aufeinander abstimmen (Dokumente hier und hier). Dazu zählen folgende Maßnahmen:

A. Fiskalpolitische Disziplin:

  • In den Einzelstaaten sollen Schuldenbremsen im Verfassungsrang beschlossen werden, die die Neuverschuldung auf 0,5% begrenzt – die EU-Kommission legt Prinzipien für die grundlegende Funktionsweise dieser fiskalpolitischen Regel fest.
  • Mitgliedsstaaten die Teil der Excessive Deficit Procedure sind, werden von der Kommission in ein partnership programme gezwungen, dass die Strukturreformen (meist Liberalisierung und Flexibilisierung) für dieses Land festlegt.
  • Die Mitgliedsstaaten verpflichten sich im Vorhinein (ex ante) ihre zukünftigen Schulden zu melden.
  • Bei einem Neudefizit von mehr als 3% des BIP werden Maßnahmen gesetzt, um die Neuverschuldung zu senken (allerdings ohne weitere Spezifizierung).

B. Stärkung der Stabilisierungsinstrumente:

C. Details zum ESM:

  • Der ESM soll den privaten Sektor mit einschließen und sich an den dafür vorgesehenen Prinzipien und Praktiken des IWF orientieren.
  • Die Stimmrechte werden so geändert, dass in Krisenfällen 85% Zustimmung für einen Beschluss genügen – die Einstimmigkeit fällt damit.

Conclusio:

Grundsätzlich ist die Bereitschaft der EU, fiskalpolitisch näher zusammenzurücken, begrüßenswert. Dabei kann auch darüber hinweg gesehen werden, dass Großbritannien sich – fast schon traditionell – einer weiteren Integration entgegengestellt hat. Begrüßenswert sind auch die Initiativen in Richtung eines Stabilitätsmechanismus, der in Not geratene Staaten Kapitalspritzen geben kann. Die Aufhebung des Einstimmigkeitsprinzips ist zu begrüßen, Blockaden werden so weniger wahrscheinlich und mit 85% erforderlicher Zustimmung liegt die Latte ohnehin relativ hoch.

Weniger erfreulich ist, dass die EU offensichtlich Gefallen an dem alten Beispiel der schwäbischen Hausfrau findet, die in der Not sparen muss, um ihre Schulden bedienen zu können. Die Staatschefs der Europäischen Union haben sich für einen rigiden Sparkurs mit automatischen Schuldenbremsen (im Verfassungsrang) entschieden. Problematisch hierbei ist vor allem die eingeschränkte Fähigkeit der öffentlichen Haushalte auf zukünftige Krisen adäquat reagieren zu können. von den demokratiepolitischen Problemen ganz zu schweigen. Die Kosten kurz- und langfristig werden wir alle zu tragen haben: Höhere Arbeitslosigkeit, Abwanderung aufgrund fehlender Perspektiven und der drohende Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts. In einer aktuellen Presseaussendung sieht das WIFO die Gefahr, dass die Sparbemühungen der EU-Staaten zu einer weiteren Dämpfung der Konjunktur führen kann. Übersetzt: Mehr Arbeitslose, mehr Transferausgaben, mehr Schulden, mehr Sparen. Ein Teufelskreis. Die EU scheint darauf zu warten, dass Wachstumsimpulse entweder aus den Schwellenländern (China, Brasilien, Indien) kommen, oder dass die Wirtschaft von selbst zurück ins Gleichgewicht findet, wenn man nur genug spart. Beides erinnert an den Hasen, der vor lauter Schreck vor der Schlange erstarrt.

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EU-Gipfel: Ein Europa mehrerer Geschwindigkeiten

In der Schuldenkrise haben sich die EU-Staaten mit Ausnahme der Briten darauf geeinigt, in Sonderverträgen enger aneinander zu rücken. Die 17 Euro-Länder und neun weitere wollen sich vertraglich auf eine geringere Neuverschuldung, eine so genannte Schuldenbremse, verpflichten. Ob diese Maßnahme reicht, um die Finanzmärkte zu beruhigen und die Krise langfristig in den Griff zu bekommen, ist zweifelhaft. Jedenfalls wird mit dem angekündigten Sondervertrag aber etwas ermöglicht, das schon seit vielen Jahren als Szenario durch Expertenkreise geistert: ein Europa mehrerer Geschwindigkeiten (dazu siehe auch die fünf EU-Szenarien des Centrums für Angewandte Politikforschung aus dem Jahre 2003 http://www.cap.uni-muenchen.de/publikationen/cap/szenarien.htm). Das heißt konkret, dass es eine Gruppe von Integrationswilligen gibt, die sich gemeinsam auf mehr Europa und weniger Nationalstaat einigen, während andere, die Angst um ihre Souveränität haben, zumindest vorerst nicht mitmachen. Dies war früher schon einige Male der Fall, etwa im Schengener Abkommen, aber auch im Brüsseler Pakt (Verteidigunsgemeinschaft) und selbstverständlich auch in Hinblick auf die Währungsunion. Dennoch hat man all diese Sonderverträge in den letzten Jahren zusammenführen und integrieren können. Der jetzt vorgeschlagene Schritt eines neuen Sondervertrags bricht diesen Trend, wurde aber notwendig,  weil die so genannte Kompetenzkompetenz, also die Kompetenz zur Entscheidung über die Abtretung von Kompetenzen an die EU, nach wie vor auf dem Einstimmigkeitsprinzip beruht und somit jede Refom von jedem einzelnen Mitgliedstaat aufgehalten werden kann. Anders formuliert: jede Änderung der EU-Verträge kann von Großbritannien, aber auch von Malta oder jedem anderen Staat verhindert werden. Und da der britische Premierminister Cameron im Vorfeld des jetzigen Gipfels schon angekündigt hatte, sich eine Zustimmung wenn dann sehr teuer abkaufen zu lassen, blieb den anderen nichts übrig, als einen neuen zwischenstaatlichen Vertrag vorzuschlagen. Das ist einerseits besser als gar nichts, andererseits aber auch in vielerlei Hinsicht problematisch: erstens wird auf diese Weise die große Idee eines gemeinsamen, geeinten Europas zwangsweise unterlaufen, es werden vertraglich ein Zentrum und eine Peripherie gefestigt, zweitens stellen sich viele Fragen, die den EU-Juristen schlaflose Nächte bereiten werden, wie etwa jene nach den Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten der EU-Kommission in einem Sondervertrag einiger Mitgliedstaaten, drittens ist das Europäische Parlament als Legitimationsinstitution bei dieser Lösung völlig außen vor, womit viertens auch die europäische Bevölkerung keinerlei demokratischen Einfluss auf den Vertrag ausüben kann. Darüber hinaus wird auch unter denen, die jetzt vorangehen, außer der so genannten Schuldenbremse keine echte Reform der EU-Verträge diskutiert. Es wird also weiterhin keine Eurobonds geben, von einer Finanztransaktionssteuer ganz zu schweigen, und auch die Kompetenzkompetenz der Mitgliedstaaten bleibt unangetastet. Solange aber das Einstimmigkeitsprinzip für Vertragsänderungen aufrecht gehalten wird und man nicht qualifizierte Mehrheitsentscheidungen akzeptiert (also 55 % der Mitgliedstaaten, die 65 % der Bevölkerung repräsentieren), wird die EU weiterhin auf kurzfristiges Krisenmanagement oder auf Sonderverträge angewiesen sein. Wenn Europa langfristig handlungsfähig bleiben will und die Zustimmung der Bevölkerung nicht weiter sinken soll, müssen sich die Staaten auf echte Reformen einlassen und ein Stück ihrer jeweils eigenen nationalstaatlichen Macht aufgeben.

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