Ökonomen zur Euro-, Finanz- und Wirtschaftskrise

Die Financial Times Deutschland veröffentlicht in Kooperation mit Project Syndicate Beiträge von Ökonomen zur Wirtschafts- und Finanzkrise. Besonders empfehlenswert sind die Beiträge von Robert Skidelsky zu Sparen in der Krise, Kemal Dervis zu Deutschland’s Exportüberschüssen, Joseph Stiglitz zu Politikversagen und Barry Eichengreen zu Auswegen aus der Eurokrise.

Skidelsky’s Analyse in Bezug auf die Eurokrise: “Wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vorsätzlich geschrumpft wird, steigt zwangsläufig die Verschuldungsquote. Die einzige Möglichkeit, die Schulden zu senken (außer durch Zahlungseinstellung), ist Wirtschaftswachstum.”. Darauf wurde hier auch bereits hingewiesen (siehe hier und hier). Kemal Dervis sieht den Hauptschuldigen der Eurokrise nicht in den verschuldeten Peripherieländern, sondern in der Mitte Europas: “Die chinesischen und deutschen Leistungsbilanzüberschüsse werden richtigerweise als Hindernis für eine Erholung betrachtet, da sie die potenzielle weltweite effektive Nachfrage verringern und global gesehen zu einem Überschuss der „geplanten Ersparnisse“ gegenüber den „geplanten Investitionen“ führen – das ist ein Rezept für Rezessionsdruck.“ Dervis betont ebenfalls die Rolle der Einkommensverteilung: “Zunehmende Konzentration von Einkommen und Reichtum kann teilweise analog zu „externen“ Leistungsbilanzdefiziten als „internes“ Ungleichgewicht betrachtet werden. Der Grund: die Gruppen mit dem höchsten Einkommen sparen tendenziell einen höheren Anteil ihrer Einkommens. Weitere Einkommensverschiebungen zugunsten der Großverdiener führen zu höheren Ersparnissen. Diese müssten durch höhere Investitionen, höhere Nettoexporte oder höhere Ausgaben der öffentlichen Hand kompensiert werden, um Rezessionsdruck zu verhindern.” (siehe auch hier). Wenn die öffentliche Hand aber gleichzeitig spart, Investitionen nicht getätigt werden, dann bleibt nur eine Zunahme der Exporte – was wiederum die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone verschärft. Die Exportstrategie von Deutschland, Österreich und anderen ist deshalb eben nicht zukunftsfähig (siehe hier). Die Eurokrise wurzelt in den Strukturen der Währungsunion und nicht in den Schulden einiger Euroländer. Barry Eichengreen meint: “Was als Griechenland-Krise angefangen hatte, wurde zu einer Krise Südeuropas und schließlich zu einer gesamteuropäischen Krise. Ende des Jahres waren Banken und Regierungen schließlich so weit, Notfallpläne für ein Auseinanderbrechen der Währungsunion auszuarbeiten.” Solange das Wirtschaftswachstum rückläufig ist, sind Sparpakete keine Lösung. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz meint dazu: “Natürlich ist es möglich, dass die USA ihre politischen Probleme lösen und endlich die Arbeitslosigkeit mithilfe von Konjunkturmaßnahmen auf sechs oder sieben Prozent drücken (eine Rückkehr zu den vier, fünf Prozent, die vor der Krise herrschten, wäre zu viel erwartet). Aber das ist ebenso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass Europa erkennt, dass Sparen allein die Probleme nicht lösen wird. Das Gegenteil trifft zu: Sparsamkeit wird die Wirtschaft nur noch schneller abkühlen.”

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