EU Interim Prognose 2012

Die Europäische Kommission hat kürzlich – im Rahmen des „Europäischen Semesters“ – im vergangenen Februar ihre vorläufige Prognose für 2012 vorgelegt. Das Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union (27 Mitgliedsländer) wird demnach stagnieren, während es in der Eurozone (17 Länder) sogar rückläufig ist – eine Rezession setzt ein. Obwohl die Kommission die negativen Effekte auf das Wirtschaftswachstum erkennt, gibt es offensichtlich keinen Grund die wirtschaftspolitische Strategie des Sparens zu modifizieren:

„Member States have adopted additional measures to pursue necessary fiscal consolidation as the sovereign debt crisis in some euro-area Member States lingers on, although this is likely to weigh on growth perspectives in the short run.“

Die USA, die eine wesentlich expansivere wirtschaftspolitische Strategie verfolgt haben, freuen sich bereits über die ersten positiven Zeichen am Arbeitsmarkt. Nach offiziellen Angaben sank die (monatliche) Arbeitslosenrate im Jänner 2012 zum fünften Mal in Folge und liegt bei 8,3% (Jänner 2011: 9,1%). Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der EU, der Eurozone und den USA (monatliche Daten seit Jänner 2007 bis Jänner 2012; EU und Eurozone von Eurostat, USA vom Bureau of Labor Statistics).

In der Herbstprognose der EU-Kommission vom Herbst 2011 wurden negative Wachstumsraten nur für Griechenland und Portugal ausgewiesen. In der aktuellen Prognose geht die Kommission von negativen Wachstumsraten in sieben weiteren Ländern aus: Belgien, Niederlande, Zypern, Spanien, Italien, Slowenien und Ungarn. Die EU-Kommission spricht trotzdem nur von einer „milden, technischen“ Rezession. Das mag – im Allgemeinen – stimmen, für manche Länder ist die Rezession keineswegs mild…und technisch. Griechenlands Wirtschaft schrumpft dieses Jahr zum fünften Mal in Folge, um mehr als 4% 2012 gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenrate von Jänner bis November 2011 betrug in Griechenland etwa 18%. Für 2012 wird ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet, und der Mindestlohn wurde soeben um 22% reduziert. Österreichs Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal 2011 um 0,1% (real) gesunken und wird – laut Prognose – im ersten Halbjahr 2012 nicht wachsen. Erst ab dem dritten Quartal 2012 wird ein Anstieg des realen BIP prognostiziert. Wie hier bereits erwähnt, geht das WIFO von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich aus, falls sich die wirtschaftliche Situation nicht verbessern sollte. Zu Optimismus gibt es angesichts der gesamteuropäischen Lage keinen Anlass, selbst der IWF warnte kürzlich – ungeachtet seiner Beteiligung bei den Sparprogrammen in Europa – vor einer zu restriktiven Sparpolitik.

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