Umstrittene neue Studie „Lebenswelten junger Muslime in Deutschland“ vorgestellt

Die Studie „Lebenswelten junger Muslime in Deutschland“, die vergangene Woche vom deutschen Bundesinnenministerium herausgegeben wurde, erhielt – nicht zuletzt durch die problematische Präsentation durch den deutschen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) – hohe mediale Aufmerksamkeit. Verschiedene Politiker – auch aus der Regierungskoalition – lehnen Friedrichs einseitiges Vorgehen ab: Er informierte die Bild-Zeitung vorab mit überwiegend negativen Teilergebnissen. Auch seine eigene konfliktfördernde Rhetorik  ist Teil der Kritik.

Neben Friedrichs Kompetenz wird allerdings auch die Studie selbst angezweifelt. In der zentralen Fragestellung werden die Begriffe „Integration“ und „Radikalisierung“ als Gegenpole vorgestellt, die weniger als Auswirkungen individueller oder gesellschaftlicher Prozesse, denn mehr als Zustände verhandelt werden, in denen sich junge Menschen befinden. Dadurch trägt die Untersuchung eher zur Festigung dieser gewachsenen Positionen bei, in denen sich Einzelne befinden, anstatt die Gruppe der muslimischen MigrantInnen grundsätzlich anzuerkennen und so einen Dialog gleichberechtigter und gleichwertiger gesellschaftlicher Gruppen zu fördern.

Im Originaltext lautet die Fragestellung der Studie wie folgt:

„Welche Kriterien lassen sich empirisch begründen, um junge Muslime in Deutschland auf der Grundlage ihrer Einstellungen und Verhaltensweisen als integriert beziehungsweise radikalisiert und unter Umständen extrem islamistisch beurteilen zu können?“

Dass Wissenschaft auch anders kann, zeigt die Studie „In Sippenhaft. Negative Klassifikationen in ethnischen Konflikten“ des Soziologen Ferdinand Sutterlüty aus dem Jahr 2010. Hier werden bestimmte Formen der Ausgrenzung thematisiert und erklärt, die gerade im Falle erfolgreicher Integration, beispielsweise bei beruflichem Erfolg oder aktiver politischer Partizipation, auftreten.

Sutterlütys Buchveröffentlichung wird im neuesten Wissens-Update  in zusammengefasster Form präsentiert und kritisch gewürdigt.

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