Zukunft mit Zahlen: Einkommen 2011 in Salzburg

Im Herbst jeden Jahres starten in Österreich die Kollektivertragsverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Dabei wird um geringe Prozentpunkte gekämpft. Heuer kam es in der für andere Branchen richtungsweisenden Metallindustrie zu einer Lohnerhöhung bei den Mindestlöhnen von 3,4 Prozent, bei den Ist- Löhnen zu einer Steigerung von 3,3 Prozent und der Mindestlohn wurde außerdem auf 1636 Euro brutto angehoben.[i] Welche weitreichenden Wirkungen diese Lohnabschlüsse für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben, zeigt der kürzlich von der Arbeiterkammer Salzburg veröffentlichte Einkommensbericht 2011[ii] auf:

Der Reallohn gibt durch die Einbeziehung der Inflationsentwicklung Auskunft über die tatsächliche Kaufkraft des Gehalts.  In den letzten zehn Jahren sind die Einkommen real um 3,1 Prozent und in den letzten 5 Jahren real um 2,9 Prozent gesunken. Das Bruttomedianeinkommen in Salzburg (Definition: Die eine Hälfte der Einkommen befindet sich über dem Median, die andere Hälfte darunter) hat sich im Jahr 2011 (das sind die aktuellsten Zahlen) mit 1847 Euro um 1,3 Prozent gesteigert. Berücksichtigt man nun die Inflation so mussten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen realen Lohnverlust von 2 Prozent hinnehmen. Mit anderen Worten: Die ArbeitnehmerInnen bekommen immer weniger Lohn für ihre geleistete Arbeit.

Abbildung 1

Quelle: Arbeiterkammer Salzburg

Hinzu kommt, dass die Preise seit fast 20 Jahren nicht mehr  stark gestiegen sind wie zuletzt: Die durchschnittliche Inflationsrate lag nach dem Verbraucherpreisindex 2010 im Jahr 2011 bei 3,3 Prozent. Massive Verteuerungen gab es vor allem bei Nahrungsmitteln (4,6%), Verkehr (5,6%), Haushaltsenergie (5,8%) und Treibstoff mit einer Steigerung von 18 Prozent. Im täglichen Leben ist der erlebte Reallohnverlust stark spürbar. Der von der Statistik Austria erhobene „Miniwarenkorb“ ermittelt die Preisentwicklun von Produkten des täglichen Gebrauchs. Dieser stieg mit 6,7 Prozent im Jahr 2011 doppelt so stark an als der Verbraucherpreisindex.

Abbildung 2

Quelle: Arbeiterkammer Salzburg

Die Arbeiterkammer Salzburg hat in ihrem aktuellen Einkommensbericht mit der Analyse der Wohnpreisentwicklungen spannende Erkenntnisse geliefert: Der Trend der steigenden Wohnpreise setzte sich auch 2011 fort. Die freien Marktmieten verteuerten sich um 7,1 Prozent und die Kaufpreise von Wohnraum sogar um 12,7 Prozent. Noch drastischer ist die Entwicklung bei der Betrachtung der Preisentwicklung der letzten fünf Jahre. Während sich in diesem Zeitraum das Einkommen nur um 8,5 Prozent erhöhte und inflationsbereinigt sogar um 2,9 Prozent verringerte stiegen die Mietpreise in der Landeshauptstadt um 19,3 Prozent und die Kaupreise sogar um 48,2 Prozent an (siehe hierzu die nachstehende Grafik).

 Abbildung 3

Quelle: Arbeiterkammer Salzburg

Diese Zahlen im Einkommensbericht verdeutlichen die dramatischen, vor allem auch durch die Finanzkrise verursachten Entwicklungen für die ArbeitnehmerInnen: Die Ausgaben für den täglichen Einkauf, für Heizen und Wohnen steigen kontinuierlich an, während der Reallohnverlust sinkt. Gerade Frauen trifft dies am stärksten: Die Gender Pay Gap, also der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern liegt in Salzburg immer noch bei 32,5 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahr lediglich um  0,5 Prozentpunkte gesunken.Diese Zahlen aus dem Einkommensbericht der Salzburger Arbeiterkammer machen die zentrale Rolle gewerkschaftlicher Vertretung und die Wichtigkeit eines flächendeckenden Kollektivvertragssystems mehr als deutlich.

Am Zentrum für Zukunftsstudien wird im Zuge des umfassenden Vorausschauprojekts „Salzburg 2025“ ebenfalls eine Analyse der Einkommensentwicklung durchgeführt. Dabei stehen die Analyse einzelner Teilsegmente der Beschäftigung sowie der Verteilung der Einkommen innerhalb der unselbständig Beschäftigten im Vordergrund. Zu den aktuellen Ergebnissen dieser Erhebungen ist ein weiterer Beitrag für den Blog des ZfZ in Arbeit.

Lesen Sie auch aus der Serie „Zukunft mit Zahlen“: Reallohnentwicklung in Salzburg


[i] ProGe (2012). Metallindustrie: Erfolgreiches Ende der Verhandlungen, URL: http://www.proge.at/servlet/ContentServer?pagename=P01/Page/Index&n=P01_1.2.a&cid=1350997673522

[ii]     Arbeiterkammer Salzburg (2011). Einkommen 2011 der Arbeiter und Angestellten in Salzburg- Analyse statistischer Daten aus der Sozialversicherung, Download unter: http://www.ak-salzburg.at/online/einkommens-analyse-2011-63573.html

Weitere Infos unter:http://www.ak-salzburg.at/online/einkommens-analyse-2011-63573.html

Datenbasis: Der Bericht wurde auf Basis der Daten über die „Verteilung der beitragspflichtigen Arbeitseinkommen nach Altersgruppen und Wirtschaftsklassen“ des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger verfasst. Die angegeben Einkommen errechnen sich aus dem Bruttolohn inklusive alle Sonderzahlen, also auch dem 13. Und 14. Gehalt.  Erfasst werden alle Angestellten und ArbeiterInnen ausgenommen Lehrlinge, pragmatisierte Beamte und geringfügig Beschäftigte.

Kritisch anzumerken ist, dass jährliche Vergleiche der Einkommen differnzierter sind, wenn auch die Verschiebungen innerhalb der Gruppen der Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten miteinander verglichen werden. Die steigende Teilzeitbeschäftigung drückt nämlich den Median- und auch den Durschnittslohn.

Hinweis: Alle verwendeten Grafiken stammen aus dem Einkommensbericht der Arbeiterkammer Salzburg.

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