Zweite Phase des INTEGRAL-Projektes angelaufen

Zusammen mit zahlreichen anderen Forschungseinrichtungen ist das Zentrum für Zukunftsstudien an einem interdisziplinären und internationalen Forschungsprojekt beteiligt. INTEGRAL lautet die Abkürzung des von der EU geförderten Projektes, bei dem die zukünftigen Entwicklungen der europäischen Forst- und Waldlandschaften antizipiert werden sollen. Das Zentrum für Zukunftsstudien koordiniert und begleitet in diesem Zusammenhang 20 Szenario-Prozesse in 10 europäischen Ländern.

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In den Forstwissenschaften kommen Prognosemodelle zum Einsatz, die erstaunlich genaue Ergebnisse produzieren. Vorausgesetzt es gibt keine störenden Eingriffe, kann Jahrzehnte im Voraus berechnet werden, wieviel Festmeter Holz verfügbar und wieviel Kohlenstoff durch den Wald gebunden sein wird. Zeithorizonte von 50 und mehr Jahren sind dabei keine Seltenheit. Einziger Knackpunkt: Es gibt in Europa so gut wie keinen Wald, der keinen „störenden“ Eingriffen unterliegt. Wald und Forstbestände werden an die Bedürfnisse ihrer Nutzer angepasst und zunehmend aktiv „gemanaged“. Diese Nutzung muss nicht immer auf maximale Ernte und größtmöglichen Ertrag ausgerichtet sein. Auch Biodiversität, der Erholungswert von Wäldern oder Grundwasserschutz sind „Dienstleistungen“, die mehr oder weniger gezielt gesteuert und überwacht werden (müssen). Waldentwicklung verläuft also selten naturwüchsig, sondern ist das Ergebnis menschlicher Entscheidungen und Eingriffe.

Die Präferenzen von Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, ihr Verhalten und ihre steuernden Eingriffe in den Waldbeständen lassen sich jedoch nicht oder nur sehr undifferenziert in den bestehenden Prognosemodellen abbilden. Dies zu ändern ist eine der Aufgaben, die im Rahmen von INTEGRAL gelöst werden sollen. Dafür müssen sozialwissenschaftliche Erkenntnisse in die naturwissenschaftlichen Prognosemodelle einfließen: Verhalten sich Besitzerinnen und Besitzer von kleinen Grundstücken anders als Großwaldbesitzerinnen und -besitzer? Wie stark reagieren Waldmanagerinnen und -manager auf Preisänderungen für Holz? Wie groß ist die Bedeutung von tradierten Werten und Einstellungen für die Waldentwicklung, wie groß ist die Bedeutung von gesetzlichen Vorgaben? Welchen Einfluss hat der demografische Wandel auf das Waldmanagement?

Diese und andere Fragen wurden in der ersten Projektphase bearbeitet. In einem nächsten Schritt werden mögliche Entwicklungspfade für die europäischen Wald- und Forstlandschaften in Form von explorativen Szenarien abgebildet – erneut gilt es, die unterschiedlichen Verhältnisse in den europäischen Ländern zu berücksichtigen. Die Spannbreite reicht von ausschließlich auf Holzertrag optimierten Waldbeständen in Schweden bis hin zu Bergwäldern in Italien, auf die fast nur natürliche Einflüsse einwirken. Die explorative Szenarien werden unter Beteiligung lokaler und regionaler Stakeholder erstellt und bilden schließlich die Rahmenbedingungen für die um sozialwissenschaftlich relevante Enflussfaktoren erweiterten Prognosemodelle.

An der Fachhochschule Salzburg ging in der vergangenen Woche ein großes Projekttreffen zu Ende, an dem über 60 Forscherinnen und Forscher aus 14 europäischen Ländern teilgenommen haben. Neben den Ergebnissen der ersten Projektphase wurden die kommenden Szenario-Prozesse geplant und diskutiert, die vom Salzburger Zentrum für Zukunftsstudien koordiniert werden. Im Kreis der forstwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen wird es die Hauptaufgabe des Zentrums für Zukunftsstudien sein, die Expertise zu zukunftsorientierter Forschung und speziell der Szenarioentwicklung in das Konsortium einzubringen.

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Publikationen zu diesem Thema aus dem ZfZ Salzburg:

Elmar Schüll: Zur Wissenschaftlichkeit von Zukunftsforschung. Der Andere Verlag, Tönning, Lübeck und Marburg 2006.

Elmar Schüll: Zur Forschungslogik explorativer und normativer Zukunftsforschung. In: Reinhold Popp und Elmar Schüll (Hrsg): Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. Springer-Verlag, Berlin und Heidelberg 2009, S. 223-234.

Elmar Schüll und Heiko Berner: Zukunftsforschung, kritischer Rationalismus und das Hempel-Oppenheim-Schema. In: Reinhold Popp (Hrsg): Zukunft und Wissenschaft. Wege und Irrwege der Zukunftsforschung. Springer-Verlag, Berlin und Heidelberg 2012, S. 185-202.

Dirk Steinbach, Katja Linnenschmidt, Elmar Schüll: Zukunftsstrategien für eine alternsgerechte Arbeitswelt – Trends, Szenarien und Empfehlungen. Herausgegeben von Reinhold Popp. Lit-Verlag, Wien und Berlin 2011.

 

Ansprechpartner

Projektkoordination an der Swedish University of Agricultural Sciences:                                                                                                                                                                                                                                  Prof. Dr. Ola Eriksson, ljusk.ola.eriksson@slu.se und Maria Nyberg, maria.nyberg@slu.se

Am Zentrum für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg:                                                                                                                                                                                                                                                  Elmar Schüll, elmar.schuell@fh-salzburg.ac.at

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