Zukunft mit Zahlen – Vermögensverteilung in Österreich

Studien der Europäischen Nationalbank (EZB) sowie der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) zeigen, dass in Österreich eine starke Ungleichverteilung der Vermögen vorherrscht: Ein aktueller Bericht der EZB, der sich auf Daten des „Household Finances and Consumption Survey“[1] stützt, hat für fünfzehn Euroraum-Länder die Vermögensverteilungen erhoben. Aus diesem Bericht geht eine klare ungleiche sowie unsoziale Vermögensverteilung in Europa hervor. Österreich kann man zwar nicht aus Sonderfall bezeichnen, doch finden sich hier gemeinsam mit Deutschland die größten Diskrepanzen zwischen einer kleinen Zahl Vermögender und einer großen Zahl von Haushalten mit wenig oder gar keinem Vermögen.

 

Vermögensverteilung im Euroraum

Bereinigt man die Vermögen von Schulden und Krediten so besitzt das reichste Fünftel der Bevölkerung in den untersuchten Euroraum-Ländern[1] zwei Drittel des gesamten Nettovermögens (der Wert des Vermögens nach Abzug aller Verbindlichkeiten, wie etwa Schulden). Anders betrachtet besitzen die unteren 50% in Europa nur gerade einmal 6% des Vermögens. Der Bericht zeigt auch, dass die unteren 20% der Haushalte über gar kein Nettovermögen verfügen.[2-4]

Euroraum

Vermögensverteilung in Österreich

In Österreich besitzen die reichsten 5% der Haushalte über 45% des privaten Nettovermögens. Es kann von einer erheblich höheren Dunkelziffer ausgegangen werden, da die österreichischen Milliardärs-Haushalte nicht erfasst werden, vermögende Haushalte weniger auskunftsfreudig sind und Privatstiftungen überhaupt nicht in die Erhebungen der Österreichischen Nationalbank eingeflossen sind.[3,5,6,4,2] Die Ungleichheit bei der Verteilung privaten Vermögens lässt sich anschaulich an der oft verwendeten Kennzahl des Gini-Koeffizienten[2] deutlich machen: Das sozial besser verteilte Einkommen in Österreich hat demnach eine Gini-Koeffizienten von 0,26 während der Koeffizient bei Betrachtung der Bruttovermögen bei 0,76 liegt.  Der Europadurchschnitt  als Vergleichswert liegt bei 0,68.[3,4]

Brutto Privat Österreich

Die starke soziale Ungleichverteilung wird deutlich, wenn der Bericht der Europäischen Zentralbank hervorhebt, dass die unteren 40% in Österreich lediglich 4.800 Euro Nettovermögen besitzen (über alle untersuchten Länder ergibt sich ein Vermögen von 13.300 Euro) während die obersten 10% in Österreich im Durchschnitt 1,6 Mio. Euro an Vermögen verwalten.[3] Die hier skizzierte Vermögensverteilung weist auch eine steuerpolitische Schieflage auf, da die Steuern auf Einkommen höher sind als auf Kapitalerträge beziehungsweise Gewinn- und Besitzeinkommen. So wird der Großteil des Steueraufkommens in Österreich über Steuern auf Arbeit erreicht – Österreich ist hier europäischer Spitzenreiter, bei den Beiträgen zu leistungslosem Einkommen ist Österreich unter den Schlusslichtern.[7]

Bei der Betrachtung der Berichte wird auch deutlich, dass Reichtum und Vermögen meist über Erbschaften erreicht sowie verteilt wird und sich in Österreich die oben skizzierten unsozialen Vermögensverteilungen somit stabil halten.

Konsequenzen für die Zukunft

In Österreich hat es bis zum 2012 veröffentlichten Bericht der Österreichischen Nationalbank kaum aussagekräftige Daten zur Vermögensverteilung gegeben. Die bekannten Daten zur eher egalitären Einkommensverteilung ließen den Schluss zu, dass es sich mit der Vermögensverteilung ähnlich verhält. Wie bereits gezeigt, kristallisiert sich aber in Österreich eine außergewöhnlich elitäre Vermögenstruktur heraus, die langfristig zu einer Abkehr vom Prinzip der Chancengleichheit führen kann, indem sie intransparente Machtstrukturen festigt und stabilisiert. Martin Schürz, einer der Mitautoren des ÖNB-Berichts, weist auf den demokratiepolitisch wichtigen Nutzen von verlässlichen Daten über die Vermögenverteilung hin: Im Gegensatz zur Einkommensverteilung gibt die Vermögensverteilung auch Auskunft über Ungleichheiten in der Vergangenheit.[6] Um in Zukunft eine gerechtere Vermögensverteilung zu schaffen, sollte über neue steuerpolitische Richtungsentscheidungen nachgedacht werden:

Der Abstand zwischen Steuern auf Leistung wie Arbeit im Vergleich zu Steuern auf leistungsfreie Besitz- und Gewinnerträge könnte verringert werden. Ein Ansatz wäre eine Vermögenssteuer ab einer Million Euro Vermögen. Eine weitere Möglichkeit, die unsoziale Struktur der Vermögensverteilung in Österreich aufzubrechen, ist eine Einführung einer Erbschafts- und Schenkungssteuer mit einem hohen Freibetrag, der den durch ein Erwerbsleben erwirtschafteten Besitz steuerfrei weitergeben lässt.

Literatur

1. European Central Bank (2013) The Eurosystem Household Finance and Consumption- Survey Results from the first wave. Statistics Paper Series 02/2013

2. Arbeiterkammer Oberösterreich (17.05.2013) Verteilungsgerechtigkeit braucht Vermögenssteuer.

3. Rehm M, Schlager C (2013) Die Vermögen sind in Österreich besonders ungleich verteilt. Arbeit und Wirtschaft

4. Arbeiterkammer (2012) Verteilung der Vermögen in Österreich. AK Aktuell, vol 10/2012.

5. Schürz M (2012) Fakten zur Vermögensverteilung in Österreich. dieZukunftat 10/2012

6. Schürz M (2012) Ungleicher als gedacht? dieZukunftat 11/2012

7. ÖGB (30.04.2013) Steuern auf Arbeit bleiben größter Faktor beim Steueraufkommen.


[1] Belgien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Zypern, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, Slowenien, die Slowakei, Finnland

[2] Der Gini-Koeffizient ist ein Wert zur Darstellung der Vermögensverteilung. Er bewegt sich zwischen 0 und 1. Im Falle der Vermögen bedeutet ein Wert von 0 eine völlig gleichmäßige Vermögensverteilung, ein Wert von 1 würde bedeuten, dass ein Haushalt das ganze Vermögen besitzt.

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