Zukunft mit Zahlen: Arbeitsmarktmonitor 2012

Die Situationen auf den europäischen Arbeitsmärkten werden meist mit wenigen Indikatoren, wie z.B. der Arbeitslosigkeit, beschrieben und bewertet. Die Arbeiterkammer (AK) hat sich mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) zum Ziel gesetzt, ein komplexeres und aussagekräftigeres Instrument zum Vergleich der Arbeitsmärkte in Europa zu entwickeln: Damit soll ein  ein detailliertes Bild des europäischen Arbeitsmarktgeschehens dar gestellt  und eine gute Ausgangsbasis für weitere Forschungen geliefert werden . Das Ergebnis nennt sich ‚Arbeitsmarktmonitor‘ und ist ein Index, der sich aus verschiedenen Teilindices zusammensetzt.

Methodik und Aufbau

Die aktuelle Version des Arbeitsmarktmonitors 2012  basiert zum größten Teil auf Eurostat Daten der Jahre 2010 und 2011. Als Basis werden die im Jahr 2010 entwickelten Teilindizes zur vergleichenden Darstellung der Entwicklungen auf den Arbeitsmärkten der Europäischen Union verwendet, die wie folgt unterteilt sind[1]:

Bereichsindex 1: „Allgemeine Leistungskraft des Arbeitsmarktes“

Bereichsindex 2: „Integrationsorientierung des Erwerbssystems“

Bereichsindex 3: „Zugangsgerechtigkeit zum und die Verbleibschancen am Arbeitsmarkt“

Bereichsindex 4: „Verteilung der Erwerbseinkommen“

Bereichsindex 5: „Verteilung durch den Sozialstaat“

Inices

Übersicht der Indikatoren

Jedem dieser Indizes liegen Indikatoren zwischen 1 (das schlechteste Ergebnis) und 10 (das beste Ergebnis) zu Grunde. Die Bedeutungen dieser Indikatoren werden zu Beginn der Studie ausführlich beschrieben. Anhand der so dargestellten Kennziffern werden die Ergebnisse für die einzelnen Indizes anschaulich mit geografischen Überblickskarten dargestellt und beschrieben. Damit lässt sich ein vergleichendes und deskriptives Bild für jeden der fünf Bereichsindizes darstellen. Alternativ dazu werden noch Ländergruppen zu jedem der fünf  Dimensionen aufgezeigt.

Bereichsindex 1

Europabild für den Bereichsindex 1

Europabild

Die Zusammenfassung nach Staatengruppen stellt sich im Großen und Ganzen folgendermaßen dar: Die kleinen Staaten gehören zu den Spitzenreitern der EU-27 Staaten. Besonders gute Werte erhalten die skandinavischen Länder, dicht gefolgt von Österreich. Die süd- und osteuropäischen Staaten sind fast durchgehend das Schlusslicht bei der Bewertung des Arbeitsmarktgeschehens.

Ergebnisse

Ergebnisse: Ländergruppen-Übersicht

Ergebnisse Österreich

Die Ergebnisse des Arbeitsmarktmonitors machen deutlich, dass Österreich ein sehr gute Performance am Arbeitsmarkt vorweisen kann, sich die bekannten Schwächen jedoch hartnäckig halten.

In den Bereichen der Leistungskraft des Arbeitsmarktes, der Integrationsorientierung sowie der sozialstaatlichen Verteilung liegt Österreich im Spitzenfeld gleichauf mit den skandinavischen Staaten (siehe Grafik). „Nur“ im oberen Mittelfeld landet Österreich bei der Einkommensverteilung – hier ist Belgien Spitzenreiter. Für die etwas negativen Veränderungen der Indices im Vergleich zu den zwei vorigen Erhebungen machen die StudienautorInnen die Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise verantwortlich. Für die gute Stellung Österreichs spricht auch die Tatsache, dass es in vier von fünf Dimensionen über dem EU- Durchschnitt liegt.

Österreich

Ergebnisse für Österreich

Hartnäckige Schwächen offenbaren sich vor allem im Bereichsindex „Zugangsgerechtigkeit zum und die Verbleibschancen am Arbeitsmarkt“, also die Fähigkeit eines Landes einen gerechten Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Als Gründe für das vergleichsweise schlechte Abschneiden in diesen Bereich nennen die AutorInnen vor allem folgende Gründe: zuwenig Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei jahren, zu geringer Anteil der Bevölkerung mit abgeschlossener tertiäre Ausbildung sowie die relativ zu vielen anderen EU- Staaten geringen gesunden Lebensjahre nach dem 65. Lebensjahr.

 Konsequenzen

Verlässliche und detaillierte Ist-Zustands Erhebungen der europäischen Arbeitsmärkte sind die Basis für aussagekräftige Zukunftsbilder. Viele Erhebungen orientieren sich an einzelnen oder wenigen Schlüsselindikatoren, wie etwa der Arbeitslosigkeit. Gerade bei diesem Indikator schneidet Österreich sehr gut ab- strukturelle Schwächen, wie etwa der Zugang und Verbleib am Arbeitsmarkt, werden hierbei aber ausgeblendet.

Der Arbeitsmarktmonitor der Arbeiterkammer und des WIFO berücksichtigt eine Vielzahl von Indikatoren, die einen Vergleich der einzelnen Arbeitsmärkte zulassen. Obwohl aufgrund des deskriptiven Charackters der Studie keine kausalen Schlüsse möglich sind, wird durch den Vegleich von 27 Staaten ein vielschichtiges Bild der Arbeitsmärkte abgebildet. Dies lässt aussagekräftige Schlüsse zu, die Ausgangspunkte für tiefer gehende Untersuchungen zu den Stärken und Schwächen der Arbeitsmärkte der EU Staaten liefern können.


[1] Die fünf Indizes werden nicht zu einem konsolidierten Index zusammengeführt, sondern bleiben als separat stehende Indizes sichtbar

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