Monatsarchiv: Juli 2013

Neue Arbeitszeitregelung im Handel: Gelebte Sozialpartnerschaft

Die Sozialpartnerschaft galt und gilt als wichtiger politischer Gestaltungsfaktor in der 2. Republik.[1]  Die den beiden politischen Großparteien nahestehenden Interessensgruppen – Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund / Wirtschaftskammer, Landwirtschaftskammer – hatten einen großen informellen Einfluss vor allem auf arbeitsrechtliche und sozialpolitische Entscheidungen. Nach den Hochblütejahren der 1970er und 80er Jahre kam es aufgrund einer Reihe von geänderten Rahmenbedingungen des ökonomisch-politischen Systems in Österreich[2] zu einem zunehmenden Bedeutungsverlust sozialpartnerschaftlichen Einflusses. Mit der Bildung einer Mitte-Rechts Regierung (ÖVP/FPÖ) ohne Beteiligung der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ) begann, so die wissenschaftliche Auseinandersetzung, eine Zäsur und das Ende der Sozialpartnerschaft[3]

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Unternehmensdemokratie oder Gemeinwohlökonomie?

Die Globalisierung der Finanzmärkte und die weltwirtschaftlichen Entwicklungen, die ab den 1990er Jahren mit Einführung der WTO zu einer Liberalisierung des Weltmarktes führten, haben in den letzten Jahren eine Diskussion über alternative Wirtschaftsmodelle verstärkt. Parallel dazu entwickelte sich eine Widerstandsbewegung, die sich in sozialen Netzwerken und Protestbewegungen organisiert und breite Aufmerksamkeit erfährt. Von Globalisierungskritikern wie ATTAC und Occupy Wallstreet über Gewerkschaften bis hin zu religiösen Bewegungen gibt es viele Akteure, die den vorherrschenden ökonomischen Verhältnissen ablehnend gegenüberstehen. Der deutsche Politologe Claus Leggewie unterscheidet fünf Typen der Globalisierungskritik: Basisbewegungen aus PazifistInnen, FeministInnen und UmweltschützerInnen, die das Motto „Eine andere Welt ist möglich“ propagieren, „Insider“, zu denen er prominente Ökonomen wie Joseph Stiglitz zählt, eine akademische Linksbewegung, die gegen neoliberale Prinzipien auftritt, sozialreformerische Kirchen sowie rechtsextreme und nationalistisch/faschistische Strömungen (vgl. Leggewie 2003). Die Alternativen, die aus diesen Gruppen zur vorherrschenden Weltwirtschaft angeboten werden, sind unterschiedlich in Hinblick auf ihre Qualität, ihre Konzeptualisierung und ihre Darstellung. Im folgenden sollen zwei, auch betriebswirtschaftlich relevante Modelle etwas genauer beleuchtet werden: jenes der Gemeinwohlökonomie und jenes der Unternehmensdemokratie.

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Staatsbürgerschaftsrecht neu – kein Best-Practice-Modell

Das österreichische „Staatsbürgerschaftsrecht neu“ ist seit dem Frühjahr dieses Jahres in Kraft. Es sieht vor, dass sogenannte „sehr gut integrierte“ AusländerInnen schon nach sechs, statt wie seither nach zehn Jahren die Einbürgerung in Österreich beantragen können. Unter sehr gut integriert versteht Integrationsstaatssekretär Kurz: „Nach sechs Jahren erhält die Staatsbürgerschaft, wer sechs Jahre regelmäßig einer Arbeit nachgeht, Steuern und Abgaben zahlt, keine Sozialhilfeleistungen in Anspruch genommen hat und über Deutschkenntnis auf Maturaniveau als erste lebende Fremdsprache (B2-Level) verfügt. Bei geringeren Deutschkenntnissen (Mittelschulniveau erste lebende Fremdsprache, B1-Level) ist ein dreijähriges, ehrenamtliches Engagement bei einer gemeinnützigen Organisation (Feuerwehr, Rotes Kreuz, Samariter etc.) oder beruflich im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich oder ehrenamtlich in einem nicht gesetzlichen Interessenverband (Elternvertretung, Betriebsrat) vorzuweisen.“ Gerne spricht Kurz in diesem Zusammenhang auch von „Anerkennung von Leistung“ – die Anerkennung der Leistung erfolgt nach seiner Lesart in Form der Verleihung der Staatsbürgerschaft.

Befasste sich Sozialphilosoph Axel Honneth mit der österreichischen Einbürgerungspraxis, würde er vermutlich an dieser Stelle aufhorchen.
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Transhumanismus, oder: das bessere Leben ohne uns

Gastvortrag von Prof. Dr. Richard Saage am ZfZ

ImageMit Prof. Dr. Richard Saage besuchte am 23. Mai der wohl renommierteste Utopieforscher im deutschsprachigen Raum das Zentrum für Zukunftsstudien und die Fachhochschule Salzburg. In einem Gastvortrag diskutierte Saage die Frage, ob die transhumanistische Bewegung an die Tradition großer utopischer Gesellschaftsentwürfe anschließen kann oder nicht. Dieser Anspruch steht zumindest im Raum: Ziel des Transhumanismus ist die Verbesserung des Menschen. Durch genetische Manipulation, Nanotechnologie, Einnahme von Wirkstoffen oder Anreicherung des Körpers mit maschinellen Anteilen (Implantaten) soll die menschliche Evolution in die eigene Hand genommen werden. Es geht dem Transhumanismus um die Verlängerung des menschlichen Lebens, als Fernziel winkt gar die Unsterblichkeit.

So abwegig und befremdlich sich die konkreten Vorhaben des Transhumanismus darstellen, so weit ist dessen Verbreitung und auch seine mediale Aufmerksamkeit (z.B. [1], [2]). Dies war auch eine Warnung, die Saage gleich zu Beginn seines Vortrags aussprach: Auch wenn der Transhumanismus zuweilen Merkmale einer spleenigen Modeströmung aufweist [3], sollte man ihn nicht auf die leichte Schulter nehmen. Nicht wenige DenkerInnen und LenkerInnen fühlen sich dieser Bewegungen verpflichet, die – schaut man genauer hin – zentrale Elemente europäischer Denktraditionen und Gesellschaftsentwürfe für obsolet erklärt. Richard Saage hat genauer hingeschaut und arbeitete in seinem Vortrag mehrere grundsätzliche Unterschiede zwischen transhumanistischen Entwürfen und klassischen Utopien heraus:

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