Einkommen der ArbeiterInnen und Angestellten in Salzburg

Zum Jahresende 2013 hat die Arbeiterkammer Salzburg  die jährlich erscheinende Studie „Einkommen 2012 der ArbeiterInnen und Angestellten in Salzburg“ präsentiert. Die Studie nimmt dabei die Einkommenssituation im Bundesland Salzburg genau unter die Lupe und liefert so ein differenziertes Bild im Vergleich zur österreichweiten und regionalen Einkommensentwicklung. Die Daten basieren vorwiegend auf dem Bruttomedianeinkommen  des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger [1].

Die „Serie Zukunft mit Zahlen“ hat sich bereits in früheren Beiträgen mit der Reallohnentwicklung, der Entwicklung der Einkommen in Salzburg nach den Daten der Sozialversicherung, sowie dem „gender pay gap“  am Salzburger Arbeitsmarkt beschäftigt.

Was sofort ins Auge sticht ist der seit Jahren erstmalige Anstieg der realen Einkommen. Der Reallohn gibt durch die Einbeziehung der Inflationsentwicklung Auskunft über die tatsächliche Kaufkraft des Gehalts. Trotz einer noch immer hohen Inflationsrate von 2,4 Prozent war dafür vor allem ein deutlicher Lohnanstieg verantwortlich. Mittelfristig betrachtet, d.h. zwischen den Jahren 2007 und 2012, sind die Einkommen jedoch um zwei Prozentpunkte gesunken.

Einkommen_ReallohnZur Belastung werden des Weiteren die Preissteigerungen im Miniwarenkorb (3,7 Prozent), der im Jahr 2012 deutlich stärker angsteigen ist als der allgemeine Verbraucherpreisindex. Noch problematischer wird es bei der Betrachtung der Entwicklung der Preise fürs Wohnen: In den letzten fünf Jahren gab es wie erwähnt einen Reallohnverlust von zwei Prozent- die Wohnkosten sind jedoch um ganze 31,5 Prozentpunkte angestiegen.

Vergleicht man die  Salzburger Löhne mit anderen Bundesländern so zeigt sich, dass diese fast vier Prozent unter dem Österreichischen Schnitt liegen und der Abstand zum Österreichischen Medianeinkommen zunehmend größer wird.  Dafür ist die vergleichsweise hohe Frauenerwerbsquote in Salzburg (rund 73 Prozent) und der damit verbundene Anstieg der Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse verantwortlich. Dazu kommt, dass in Salzburg rund 76 Prozent der ArbeitnehmerInnen im Dienstleistungsbereich beschäftigt sind (in Österreich sind es rund drei Prozent weniger) und mit 16, 3 Prozent fast doppelt so viele Beschäftigte in der Tourismusbranche arbeiten als im Rest von Österreich – diese ist durch tendenziell niedrige Löhne gekennzeichnet.

Einkommen_BundesländerBei der Betrachtung der Versicherungstage zeigt sich der Trend zum Anstieg der Teilzeitbeschäftigung: Es gibt in Salzburg mehr Beschäftigte, die aber durchschnittlich weniger Tage arbeiten.

Ein spannender Aspekt liefert diese Studie durch die Untersuchung des „gender pay gaps“ in Salzburg. Hier zeigt sich ein leichte Verkleinerung der Einkommensschere zwischen Mann und Frau, die Unterschiede bei den Löhnen zwischen den Geschlechtern ist aber noch immer hoch: So liegt das mittlere Einkommen der Frauen 32,3 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen. Die Frauenerwerbsquote steigt in Salzburg- hier manifestiert sich auch regional ein österreichweiter Trend: Frauen arbeiten meist in schlecht bezahlten Branchen und dort meist in Teilzeit und sind durch die Babypause strukturell gegenüber den erwerbstätigen Männern benachteiligt. Betrachtet man die aktuelle Statistik zu den Nettoeinkommen[2] wird deutlich, dass auch bei ausschließlicher Betrachtung der Vollzeitbeschäftigungen die Löhne der Frauen weit denen der männlichen Arbeiter und Angestellten hinterher hinken: So liegt das Monatsnettoeinkommen von Frauen im Land Salzburg um fast 500 Euro unter dem der Männer.

Einkommen_Schere 90_2012Die Auswertungen der Studie machen auf strukturelle Probleme im österreichischen Beschäftigungssystem aufmerksam: Die Löhne steigen im mittelfristigen Vergleich zur Inflation zu gering, das Steuersystem belastet die Erwerbseinkommen im Vergleich zu Besitz und Vermögen zu hoch und der Unterschied in der Entlohnung zwischen Frauen und Männern bleibt problematisch.

In diesem Zusammenhang muss auch auf die Problematik der ungleichen Verteilung der Vermögen (siehe Blogbeitrag „Zukunft mit Zahlen“ ) und vor allem der Einkommen hingewiesen werden. So ist der Einkommensanteil der untersten 20 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stetig gesunken, während im selben Zeitraum die Einkommen der oberen 20 Prozent merklich zugenommen haben. [3] Diese ungleiche Verteilung von Einkommen ist nicht nur ein österreichisches Phänomen- so betont auch der Armuts- und Reichtumsbericht der Deutschen Bundesregierung die Problematik der ungleichen Verteilung.[4]

Auf Basis dieser Studie lassen sich einige Forderungen für die Zukunft formulieren: Die Reformen des Steuersystems zur Entlastung des Produktionsfaktors Arbeit, eine faire Entlohnung der Teilzeitbeschäftigten (siehe zum Beispiel: Hinterseer T. (2013). Part- time work: Atypical? Precarious? Normal?)  gepaart mit einer generellen Arbeitszeitverkürzung, ein weiterhin stabiles Kollektivvertragssystem und die Verkleinerung der Gehaltsschere zwischen Mann und Frau sind hierbei essentiell.

Hinweis: Am Zentrum für Zukunftsstudien wird im Zuge des umfassenden Vorausschauprojekts „Salzburg 2025“ ebenfalls eine Analyse der Einkommensentwicklung durchgeführt. Dabei stehen die Analyse einzelner Teilsegmente der Beschäftigung sowie der Verteilung der Einkommen innerhalb der unselbständig Beschäftigten im Vordergrund.

Hinweis: Alle verwendeten Grafiken stammen aus dem Einkommensbericht der Arbeiterkammer Salzburg.


[1]
Datenbasis: Der Bericht wurde auf Basis der Daten über die „Verteilung der beitragspflichtigen Arbeitseinkommen nach Altersgruppen und Wirtschaftsklassen“ des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger verfasst. Die angegeben Einkommen errechnen sich aus dem Bruttolohn inklusive alle Sonderzahlen, also auch dem 13. Und 14. Gehalt.  Erfasst werden alle Angestellten und ArbeiterInnen ausgenommen Lehrlinge, pragmatisierte Beamte und geringfügig Beschäftigte.

Kritisch anzumerken ist, dass jährliche Vergleiche der Einkommen differenzierter sind, wenn auch die Verschiebungen innerhalb der Gruppen der Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten miteinander verglichen werden. Die steigende Teilzeitbeschäftigung drückt nämlich den Median- und auch den Durchschnittslohn.

[2]
Arbeiterkammer Salzburg (2013). Salzburger Daten und Fakten. Arbeitsmarkt-Einkommen-Wirtschaft, Oktober 2013 basierend auf Daten der Statistik Austria

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Zukunft mit Zahlen

Eine Antwort zu “Einkommen der ArbeiterInnen und Angestellten in Salzburg

  1. Tobias Hinterseer

    Interessanter Link vom WSI zum Thema Einkommensverteilung: