Kommentar zur Ausweitung des Arbeitstages

In den letzten Tagen war ein bestimmendes Thema in der öffentlichen Diskussion die Ausweitung des Normalarbeitstags auf zwölf Stunden. Auf jeden Fall sollte man zuerst einmal Ruhe bewahren: Es geht bei diesem Gesetzesentwurf nicht um eine generelle Anhebung der Arbeitszeit, die hier diskutierte Ausweitung der maximalen Arbeitszeit betrifft nur Ausnahmefälle. So sollen etwa längere Dienstreisen möglich sein.

Trotzdem ist eine wie auch immer gelagerte Ausweitung der täglichen Arbeitszeit ein falsches Signal. Dass die Zunahme von psychischen Krankheiten im Zusammenhang mit erhöhtem Arbeitsdruck und hoher Arbeitsbelastung stehen, dürfte sich mittlerweile auch auf der Ebene der Personalchefs herumgesprochen haben.

Experten wie Jörg Flecker und Markus Marterbauer unterstreichen schon seit längerem die positiven Effekte von genau dem Gegenteil: Sie plädieren für eine Arbeitszeitreduktion. Das Problem sind vor allem die gerade in Österreich viel geleisteten Überstunden. Sie dehnen die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit aus und sind vielmals -wie in den All-Inclusive-Verträgen- eher intransparent oder wie der Statistik Austria zu entnehmen ist, oftmals gar nicht entlohnt. Eine Reduktion der Überstunden würde nicht nur die tatsächliche Arbeitszeit verringern sondern auch neue Stellen schaffen und somit Entspannung am Arbeitsmarkt bringen.

Hinter der Forderung nach einem Mehr an Flexibilität steht eigentlich nur die Intensivierung der Arbeit. Das wird auch nicht besser wenn Sandra Micko, Personalchefin von Microsoft Österreich, im orf. Talk „Im Zentrum“ von einer Loslösung vom Arbeitsplatz und freier Arbeitseinteilung bei den Wissensberufen spricht. Das klingt besser als es ist: Gerade bei projektbezogenen Arbeitszielen gibt es ein großes Potential zur Vermischung von Arbeitswelt und Privatleben für die Beschäftigten, die belastet und nicht befreit. Hinter dieser vermeintlichen Freiheit für ArbeitnehmerInnen verstecken sich der Rhythmus und die Interessen der Arbeitgeber.

In derselben TV-Gesprächsrunde plädierte die Gastronomin Eveline Eselböck dafür, dass es gar nicht so viele Normen bräuchte. Das könnten sich doch selbstbestimmte Arbeitnehmer mit ihren Arbeitgebern ganz leicht selber ausmachen, wieviel wann gearbeitet wird. Und denen, die Arbeit Spaß macht, hätten eh nichts dagegen mehr zu arbeiten. Diese Sichtweise spiegelt das Unwissen über die Entstehung und Sinnhaftigkeit des Arbeitszeitgesetzes wider.

Gegen eine ArbeitnehmerInnen-orientierte Arbeitszeit-Flexibilisierung ist nichts einzuwenden. Der Großteil der Beschäftigten ist aber von einer Arbeitgeber-orientierten Flexibilität getrieben, die eben nicht auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingeht: Unter Flexibilität verstehen die Unternehmen Arbeitszeiten am Abend und am Wochenenden und am besten auf Abruf.

Und eines darf bei dieser Diskussion nicht vergessen werden: Verhandlungen über Arbeitszeiten sind immer ein Konflikt zwischen Kapital (Arbeitgeber) und Arbeit (Arbeitnehmer). Daher gilt es genau darauf zu achten, wer letzten Endes mehr Macht hat und sich mit seinen Interessen durchsetzt.

Lesen Sie dazu mehr in der Publikation der beiden ZfZ-Mitarbeiter Christian A. Belabed und Tobias Hinterseer „Zehn Mythen zur Zukunft der Arbeit“

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