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Nobelpreisträger haufenweise

Vor wenigen Tagen war es wieder soweit – der gesamte akademische Hochadel des Fachbereichs Ökonomie blickte gespannt Richtung Norden um zu erfahren welche außergewöhnlichen Leistungen von der schwedischen Reichsbank mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bedacht werden.  Die Auserwählten in diesem Jahr sind die beiden US-Amerikaner Christopher Sims (Princeton University) und Thomas Sargent (New York University), deren Auswahl (nicht nur für sie selbst) eine Überraschung darstellt.

Tatsächlich hatte man bei der Bestellung der Ökonomienobelpreise der letzten Jahre das Gefühl, dass in der Folge der Finanzkrise vermehrt Kritiker gängiger konservativ liberaler Paradigmen ausgewählt wurden. So löste im Jahr 2008 die Vergabe des Preises an Paul Krugman, einen wortstarken Kritiker der Bush-Administration, eine handfeste Diskussion in den USA aus. Dabei wurde laut über die Bevorzugung „linker“ Ökonomen nachgedacht. Im Folgejahr wurden mit Elinor Ostrom (die erste Frau, die jemals einen Wirtschaftsnobelpreis erhalten hat!) und Oliver E. Williamson zwei Wissenschaftler mit Fokus auf marktfernen Prozessen ausgezeichnet, die wahrscheinlich ohne einen gewissen „Krisenbonus“ nicht berücksichtigt worden wären. Dieser Trend zeigte sich auch bei der Vergabe des Nobelpreises 2010 an Peter Diamond (dem Doktorvater des mächtigen Ben Bernanke), Dale Mortensen und Christopher Pissarides, die mit ihren Studien zur Suchtheorie auf Arbeitsmärkten darauf hinwiesen, dass das freie Spiel von Angebot und Nachfrage in der Realität nicht zwingend zu einem Vollbeschäftigungs-Gleichgewicht führen muss.

Vor diesem Hintergrund stellt die diesjährige Ehrung von Sims und Sargent insofern einen Stilbruch dar, als dass es sich bei den beiden um mathematisch äußerst versierte Ökonomen handelt, deren Modelle von der Theorie der rationalen Erwartungen nach Robert Lucas (Nobelpreisträger 1995) geprägt sind. In den Nachwehen der Finanz- und Wirtschaftskrise war es vor allem diese ökonomische Denkschule, die mit ihrer stark ausgeprägten formalen Modellierungswut ins Zentrum der Kritik rückte. Durch die Wahl von Sims und Sargent scheint es beinahe so als ob der Krisenbonus der schwedischen Reichsbank trotz anhaltender Krise bereits ausgeschöpft wäre. Bleibt zu hoffen, dass es im nächsten Jahr zu keiner Renaissance der „krisengetriebenen“ Nominierungen kommen wird, weil sich das Nobelpreiskomitee gezwungen sieht die Auszeichnung an Stagnationstheoretiker zu vergeben.

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