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Buch Neuerscheinung am ZfZ: Zehn Mythen zur Zukunft der Arbeit

4483_001Wie wir in Zukunft arbeiten und wie sich die Arbeitswelt verändern wird, ist von vielen Einflussfaktoren abhängig. Die komplexen Entwicklungen werden in der Öffentlichkeit oft verkürzt dargestellt: Falsche Analysen und unrealistische Prognosen bieten Raum für Spekulationen und verdichten sich zu Mythen zur Zukunft der Arbeit, die meistens jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Gerade im heftig umkämpften Bereich der Arbeit und der Arbeitswelt ist es von großer Bedeutung, auf Basis welcher Erzählungen, und Interessen die Zukunft gestaltet wird. So scheint es, dass unser Pensionssystem bald kollabiert, Mindestlöhne den Wirtschaftsstandort gefährden und Gewerkschaften antiquiert sind- Aber ist da wirklich so? Christian A. Belabed und Tobias Hinterseer vom Zentrum für Zukunftsstudien Salzburg haben sich genau mit diesen und weiteren Themen beschäftigt und daraus ein gut verständliches Buch verfasst.

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Warum sollen Unternehmer ethisch handeln?

Wirtschaftlich und gesellschaftlich unerwünschte Resultate werden in modernen Gesellschaften gerne dem Werteverfall, der Charakterschwäche der Politiker oder der Geldgier der Manager zugeschrieben. Als ursächliche Begründung für negative Folgen greifen solche Erklärungen allerdings zu kurz. Probleme werden zwar von Einzelunternehmen erzeugt, aber kaum – freiwillig – von ihnen gelöst. Das hängt nicht ursächlich mit mangelnder Ethik zusammen, sondern systematisch mit ihrer Stellung im Wettbewerb. Gesellschaftlich erwünschte Resultate hingegen können am besten als Nebenprodukte von eigeninteressierten Handlungen unter klaren ordnungspolitischen Rahmenbedingungen erreicht werden. Denn die Gewinnerzielung ist als nicht zu ersetzende Quelle unseres Wohlstands quasi selbst zur moralischen Pflicht aufgestiegen. Zu viele gesellschaftliche Interessen und Triebkräfte sind daran gekoppelt als dass es möglich wäre, den Zusammenhang von materieller Wohlfahrt und Lebensqualität nicht  immer wieder neu zu behaupten. Ohne unternehmerische Gewinne und anschließende Umverteilung der Gewinne sind Sozialstaat, Wohlstand und Lebensqualität nicht zu halten. Die Rolle ethisch handelnder Unternehmen bleibt demgegenüber recht bescheiden. Ethisches Handeln manifestiert sich vorrangig in der Schaffung von Rahmenbedingungen in Zeiten ökonomischer Freiräume, die in Zeiten der ökonomischen Zuspitzung die Handlungsoptionen aller zueinander in Konkurrenz stehenden Akteure einschränkt. Ethisches Handeln misst sich folglich nicht am Verhalten in Extremsituationen. Dies stellt in der Regel eine Überforderung der Betroffenen dar, die in solchen Kontexten der primären Handlungslogik ihres Bezugssystems folgen müssen. Der gesamte Beitrag ist in dem Buch „Marktwirtschaft für Menschen“ (Hrsg. C. Sedmak/E. Kapferer/K. Oberholzer) online nachzulesen.

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Die Gute Arbeit 2020

Diskussionsbeitrag auf Einladung des Renner Instituts Salzburg:

Kunstfehler der Zukunftsforschung passieren häufig dann, wenn nur die Veränderungen in den Blick genommen werden aber das, was gleich bleibt, aus dem Blickfeld verschwindet. Wenn zudem der geschäftliche Aspekt der Vorausschau zu stark in den Vordergrund tritt und aus neuen, randständigen Erscheinungen ein mediengerecht aufbereiteter „Megatrend“ konstruiert wird werden schnell „Megatrends“ entwickelt.  „Echte“ Trends dagegen vollziehen sich langsamer, sind dauerhaft und haben Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft. Solche Trends sind zweifellos die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen, die Flexibilisierung der Erwerbsarbeit oder die Beschleunigung von Arbeitsprozessen. Kein solcher Trend wäre das Ende der Vollbeschäftigung oder der sozialen Sicherungsfunktion von Erwerbsarbeit. Die Flexibilisierung als stärkster Trend der jüngeren Arbeitswelt hat verschiedene Formen hervorgebracht, aber kein einheitliches Flexibilisierungsmuster. Weder steht uns eine Arbeitswelt bevor in der die subjektiven Entfaltungsmöglichkeiten aller Beschäftigten endlich zum Tragen kommen können, noch tauchen wir ein in das Zeitalter der Prekarität. Lesen Sie den gesamten Beitrag von Reinhard Hofbauer hier.

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Zukunft Sparunion?

Beim EU-Gipfel vergangenen Freitag wurden weitreichende Maßnahmen beschlossen und an dieser Stelle bereits skizziert. Die Staatschefs der Europäischen Union (speziell jene der Euro-Länder) wollen wirtschaftlich näher zusammenrücken, und in Zukunft ihre Fiskalpolitik aufeinander abstimmen (Dokumente hier und hier). Dazu zählen folgende Maßnahmen:

A. Fiskalpolitische Disziplin:

  • In den Einzelstaaten sollen Schuldenbremsen im Verfassungsrang beschlossen werden, die die Neuverschuldung auf 0,5% begrenzt – die EU-Kommission legt Prinzipien für die grundlegende Funktionsweise dieser fiskalpolitischen Regel fest.
  • Mitgliedsstaaten die Teil der Excessive Deficit Procedure sind, werden von der Kommission in ein partnership programme gezwungen, dass die Strukturreformen (meist Liberalisierung und Flexibilisierung) für dieses Land festlegt.
  • Die Mitgliedsstaaten verpflichten sich im Vorhinein (ex ante) ihre zukünftigen Schulden zu melden.
  • Bei einem Neudefizit von mehr als 3% des BIP werden Maßnahmen gesetzt, um die Neuverschuldung zu senken (allerdings ohne weitere Spezifizierung).

B. Stärkung der Stabilisierungsinstrumente:

C. Details zum ESM:

  • Der ESM soll den privaten Sektor mit einschließen und sich an den dafür vorgesehenen Prinzipien und Praktiken des IWF orientieren.
  • Die Stimmrechte werden so geändert, dass in Krisenfällen 85% Zustimmung für einen Beschluss genügen – die Einstimmigkeit fällt damit.

Conclusio:

Grundsätzlich ist die Bereitschaft der EU, fiskalpolitisch näher zusammenzurücken, begrüßenswert. Dabei kann auch darüber hinweg gesehen werden, dass Großbritannien sich – fast schon traditionell – einer weiteren Integration entgegengestellt hat. Begrüßenswert sind auch die Initiativen in Richtung eines Stabilitätsmechanismus, der in Not geratene Staaten Kapitalspritzen geben kann. Die Aufhebung des Einstimmigkeitsprinzips ist zu begrüßen, Blockaden werden so weniger wahrscheinlich und mit 85% erforderlicher Zustimmung liegt die Latte ohnehin relativ hoch.

Weniger erfreulich ist, dass die EU offensichtlich Gefallen an dem alten Beispiel der schwäbischen Hausfrau findet, die in der Not sparen muss, um ihre Schulden bedienen zu können. Die Staatschefs der Europäischen Union haben sich für einen rigiden Sparkurs mit automatischen Schuldenbremsen (im Verfassungsrang) entschieden. Problematisch hierbei ist vor allem die eingeschränkte Fähigkeit der öffentlichen Haushalte auf zukünftige Krisen adäquat reagieren zu können. von den demokratiepolitischen Problemen ganz zu schweigen. Die Kosten kurz- und langfristig werden wir alle zu tragen haben: Höhere Arbeitslosigkeit, Abwanderung aufgrund fehlender Perspektiven und der drohende Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts. In einer aktuellen Presseaussendung sieht das WIFO die Gefahr, dass die Sparbemühungen der EU-Staaten zu einer weiteren Dämpfung der Konjunktur führen kann. Übersetzt: Mehr Arbeitslose, mehr Transferausgaben, mehr Schulden, mehr Sparen. Ein Teufelskreis. Die EU scheint darauf zu warten, dass Wachstumsimpulse entweder aus den Schwellenländern (China, Brasilien, Indien) kommen, oder dass die Wirtschaft von selbst zurück ins Gleichgewicht findet, wenn man nur genug spart. Beides erinnert an den Hasen, der vor lauter Schreck vor der Schlange erstarrt.

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Exportorientierung nicht zukunftsfähig

Die aktuellen Wirtschaftsprognosen von IHS und WIFO prognostizieren für 2012 ein deutlich verlangsamtes Wirtschaftswachstum von lediglich 1,3% (IHS) bzw. 0,8% (WIFO). Grund ist laut WIFO-Presseaussendung das nachlassende Investitionsvolumen aufgrund von Unsicherheiten in Verbindung mit der (fälschlicherweise so genannten, Anm.) Schuldenkrise. Ein weiterer Grund dürfte wohl eher in der nachlassenden Wirtschaftskraft der Haupthandelspartner Österreichs im Euroraum (v.a. in Deutschland) liegen. Die Spar- und Konsolidierungspolitik der Eurostaaten führt zu einem Einbruch der Nachfrage in diese Länder und damit – wenig überraschend – zu einem Rückgang der österreichischen Exporte in diesen Ländern, die jedoch der Wachstumstreiber des letzten Aufschwungs waren. Aufgrund der zurückhaltenden Lohn- und Einkommenspolitik fällt die Binnennachfrage als Wachstumsmotor ebenfalls aus.

Was es braucht, ist somit Erstens eine expansive Lohn- und Einkommenspolitik zugunsten der untersten und mittleren Einkommen. Deren Konsumneigung (Anteil der Konsumausgaben am zusätzlichen Einkommen) ist weitaus höher als die der oberen Einkommensschichten. Das stärkt die inländische Nachfrage, erhöht die Importe und führt zu einer ausgeglicheneren Leistungsbilanz Österreichs mit seinen Haupthandelspartnern, und verringert so die Ungleichgewichte in der Eurozone. Innerhalb der Eurozone sind die Überschüsse des einen eben auch die Defizite des anderen. Zweitens benötigt es eine expansive Investitionspolitik mit niedrigen Realzinsen bzw. Investitionen der öffentlichen Hand in die produktiven Kapazitäten einer Volkswirtschaft (Bildung, Energieeffizienz, Verkehrseffizienz, etc.) und ein stringentes Konjunkturprogramm um die Unsicherheiten bei den Investoren abzubauen sowie Kaufkraftverluste aufzufangen. Die letzten vier Jahre (v.a. in Griechenland) haben gezeigt, dass sich ein Land eben nicht aus einer schweren Rezession heraus sparen kann. Gerade die Sparpakete und die damit verbundenen negativen bzw. niedrigen Wachstumsraten in der Eurozone beflügeln die Unsicherheiten weiter, reduzieren die Investitionstätigkeit und wirken negativ auf das Wirtschaftswachstum. Drittens braucht es einen stärkeren Fokus auf Fiskalpolitik als stabilisierendes Instrument. Die Konjunkturprogramme sind notwendiger denn je. Kurz: ein New New Deal für Europa. Eine konzertierte Kraftanstrengung mit Geld- und Fiskalpolitik, Einkommenspolitik und Re-Regulierung der Finanzmärkte.

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