Archiv der Kategorie: Zukunft:Ökonomie

Mythos Unsichere Pensionen

Vor geraumer Zeit wurde an dieser Stelle versucht, die Pensionsdebatte etwas zu entmystifizieren oder anders ausgedrückt: Es wurde dargestellt, warum öffentliche Pensionssysteme (Umlageverfahren) nicht so schlecht sind wie gemeinhin angenommen, und warum private Systeme (Kapitaldeckungsverfahren) nicht so vorteilhaft sind wie üblicherweise in den Medien und politischen Debatten behauptet wird.

Selbstverständlich ging die Debatte seither weiter, und daher soll an dieser Stelle ein weit verbreiteter Mythos aufgearbeitet und kritisiert werden, nämlich dass wir ohnehin keine Pensionen vom Staat bekommen. Das Hauptargument gegen die öffentlichen Pensionssysteme ist, dass sie aufgrund der Alterung der Gesellschaft (demographische Entwicklung) in Zukunft nicht zu finanzieren seien. Zu vielen PensionistInnen stehen zu wenige Personen im Erwerbsleben gegenüber, die die Pensionen finanzieren. Warum betrifft dieses Problem, wenn es doch ein gesamt gesellschaftliches Phänomen ist, jedoch nur das öffentliche Umlageverfahren? Nun, das tut es nicht. Das Risiko, ausgelöst durch den demographischen Wandel der Gesellschaften in industrialisierten Ländern, betrifft sehr wohl auch die privaten Systeme. Wie in einer aktuellen Publikation erklärt wird, sind auch die privaten Kapitaldeckungsverfahren diesem Risiko ausgesetzt. Ein kleines Gedankenexperiment: Eine Generation mit sehr vielen Mitgliedern, die „Baby-Boom-Generation“, geht verdienterweise in den Ruhestand. Diese Generation hat während des Erwerbslebens in private Pensionsversicherungen eingezahlt. Diese Pensionsfonds nehmen das Kapital und legen es in Aktien, Staatsanleihen oder sonstigen Finanztitel an. Nach mehreren Jahrzehnten gehen also viele dieser Kapitalbesitzer in Pension und verkaufen „ihr“ Finanzvermögen um daraus das Einkommen für den dritten Lebensabschnitt zu finanzieren. Wenn nun die nachkommende Generation weniger Mitglieder hat (weil beispielsweise die Geburtenrate mittlerweile gesunken ist), gibt es weniger Nachfrage für das Angebot an Finanzvermögen. Nun greift ein Kerngesetz der Volkswirtschaftslehre: sinkt die Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot, so sinkt der Preis der Aktien und Staatsanleihen. Was wiederum heißt, dass das Finanzvermögen der jüngeren Generation weniger wert ist. Es bleibt noch zu erklären, warum dieses System einem öffentlichen Umlageverfahren vorzuziehen ist. Private Pensionsvorsorgesysteme, die über den Kapitalmarkt finanziert werden, sind weiteren Risiken ausgesetzt, die das öffentliche System nicht kennt.

  1. Kapitalmarktrisiko (rasche und signifikante Abwertung von Finanzvermögen à Stichwort Finanzkrisen)
  2. Insolvenzrisiko (Pensionsfonds, etc.)

Öffentliche Umlageverfahren sind also nicht unsicherer als private Kapitaldeckungsverfahren, ganz im Gegenteil. Weiters gibt es viele Stellschrauben an denen gedreht werden kann, nicht nur das Pensionsantrittsalter, das nur eine unter vielen Möglichkeiten ist, ein System nachhaltiger zu finanzieren. Man könnte einen Teil des staatlichen Zuschusses zu allgemeinen Pensionsleistungen über höhere Steuern auf Erbschaften, Schenkungen oder wirklich hohe Einkommen und Vermögen finanzieren. Die wichtigste Stellschraube ist eine nachhaltige Balance zwischen Erwerbstätigen und PensionsbezieherInnen, das bedeutet ausreichend sozialversicherungspflichtige Jobs, und nicht der Ausbau von Niedriglohnsektor und dergleichen. Ein zukunftsfähiges Pensionssystem trägt der Komplexität der Dinge Rechnung und kann nicht mit Tante-Emma-Lösungen gesichert werden.

Weitere Informationen und eine Aufstellung öffentliche versus private Pensionsversicherungen finden sich im Buch „Zehn Mythen zur Zukunft der Arbeit“ von ZfZ-Forschern Tobias Hinterseer und Christian Alexander Belabed, erhältlich hier.

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Unternehmensdemokratie oder Gemeinwohlökonomie?

Die Globalisierung der Finanzmärkte und die weltwirtschaftlichen Entwicklungen, die ab den 1990er Jahren mit Einführung der WTO zu einer Liberalisierung des Weltmarktes führten, haben in den letzten Jahren eine Diskussion über alternative Wirtschaftsmodelle verstärkt. Parallel dazu entwickelte sich eine Widerstandsbewegung, die sich in sozialen Netzwerken und Protestbewegungen organisiert und breite Aufmerksamkeit erfährt. Von Globalisierungskritikern wie ATTAC und Occupy Wallstreet über Gewerkschaften bis hin zu religiösen Bewegungen gibt es viele Akteure, die den vorherrschenden ökonomischen Verhältnissen ablehnend gegenüberstehen. Der deutsche Politologe Claus Leggewie unterscheidet fünf Typen der Globalisierungskritik: Basisbewegungen aus PazifistInnen, FeministInnen und UmweltschützerInnen, die das Motto „Eine andere Welt ist möglich“ propagieren, „Insider“, zu denen er prominente Ökonomen wie Joseph Stiglitz zählt, eine akademische Linksbewegung, die gegen neoliberale Prinzipien auftritt, sozialreformerische Kirchen sowie rechtsextreme und nationalistisch/faschistische Strömungen (vgl. Leggewie 2003). Die Alternativen, die aus diesen Gruppen zur vorherrschenden Weltwirtschaft angeboten werden, sind unterschiedlich in Hinblick auf ihre Qualität, ihre Konzeptualisierung und ihre Darstellung. Im folgenden sollen zwei, auch betriebswirtschaftlich relevante Modelle etwas genauer beleuchtet werden: jenes der Gemeinwohlökonomie und jenes der Unternehmensdemokratie.

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Buch Neuerscheinung am ZfZ: Zehn Mythen zur Zukunft der Arbeit

4483_001Wie wir in Zukunft arbeiten und wie sich die Arbeitswelt verändern wird, ist von vielen Einflussfaktoren abhängig. Die komplexen Entwicklungen werden in der Öffentlichkeit oft verkürzt dargestellt: Falsche Analysen und unrealistische Prognosen bieten Raum für Spekulationen und verdichten sich zu Mythen zur Zukunft der Arbeit, die meistens jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Gerade im heftig umkämpften Bereich der Arbeit und der Arbeitswelt ist es von großer Bedeutung, auf Basis welcher Erzählungen, und Interessen die Zukunft gestaltet wird. So scheint es, dass unser Pensionssystem bald kollabiert, Mindestlöhne den Wirtschaftsstandort gefährden und Gewerkschaften antiquiert sind- Aber ist da wirklich so? Christian A. Belabed und Tobias Hinterseer vom Zentrum für Zukunftsstudien Salzburg haben sich genau mit diesen und weiteren Themen beschäftigt und daraus ein gut verständliches Buch verfasst.

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Zukunft mit Zahlen: Einkommen 2011 der unselbständig Beschäftigten

Die Serie Zukunft mit Zahlen hat sich bereits in früheren Beiträgen mit der Reallohnentwicklung, der Entwicklung der Einkommen in Salzburg nach den Daten der Sozialversicherung, sowie der „gender pay gap“ am Salzburger Arbeitsmarkt beschäftigt. Die Arbeiterkammer Salzburg hat kürzlich einen Bericht zur Einkommensentwicklung der Einkommen der unselbständig Erwerbstätigen verfasst . Ausgewertet wurde hierfür diesmal die Statistik für Lohnsteuer 2011 der Statistik Austria[1]

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Zukunft mit Zahlen: Arbeitsmarktmonitor 2012

Die Situationen auf den europäischen Arbeitsmärkten werden meist mit wenigen Indikatoren, wie z.B. der Arbeitslosigkeit, beschrieben und bewertet. Die Arbeiterkammer (AK) hat sich mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) zum Ziel gesetzt, ein komplexeres und aussagekräftigeres Instrument zum Vergleich der Arbeitsmärkte in Europa zu entwickeln: Damit soll ein  ein detailliertes Bild des europäischen Arbeitsmarktgeschehens dar gestellt  und eine gute Ausgangsbasis für weitere Forschungen geliefert werden . Das Ergebnis nennt sich ‚Arbeitsmarktmonitor‘ und ist ein Index, der sich aus verschiedenen Teilindices zusammensetzt.

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Zukunft mit Zahlen – Vermögensverteilung in Österreich

Studien der Europäischen Nationalbank (EZB) sowie der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) zeigen, dass in Österreich eine starke Ungleichverteilung der Vermögen vorherrscht: Ein aktueller Bericht der EZB, der sich auf Daten des „Household Finances and Consumption Survey“[1] stützt, hat für fünfzehn Euroraum-Länder die Vermögensverteilungen erhoben. Aus diesem Bericht geht eine klare ungleiche sowie unsoziale Vermögensverteilung in Europa hervor. Österreich kann man zwar nicht aus Sonderfall bezeichnen, doch finden sich hier gemeinsam mit Deutschland die größten Diskrepanzen zwischen einer kleinen Zahl Vermögender und einer großen Zahl von Haushalten mit wenig oder gar keinem Vermögen.

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Zukunftskonzept „Work Place Democracy“: Wie demokratisch sollen Unternehmen sein?

„Workplace Democracy“ nennt sich ein Konzept aus den 1970er Jahren, das von VertreterInnen der partizipatorischen Demokratie entwickelt wurde, allen voran von Carol Pateman. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend sollten alle Lebensbereiche demokratisiert werden. Das Argument war einfach und plausibel: Nur wer Demokratieerfahrungen im Alltag macht, kann sich zum/r demokratischen BürgerIn entwickeln und einer Rolle als Citoyen(ne), als mündige/r DemokratIn gerecht werden. Bildungseinrichtungen und Unternehmen sollten als jene Institutionen, in denen die Menschen einen Großteil ihres Lebens verbringen, von einer Demokratisierung nicht ausgenommen sein. Im Gegenteil: Sie sollten zu Schulen der Demokratie werden. Die Idee setzte sich nicht durch. Weder Bildungseinrichtungen noch Unternehmen haben sich dem Konzept entsprechend demokratisiert. In den meisten Fällen sind sie hierarchisch strukturierte Organisationen geblieben, häufig argumentiert mit der organisationslogischen Unmöglichkeit von Demokratie. Weiterlesen

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